''1 Jahr Regius'' begleitende Aufzucht von Jörg Pieters (Folge 9)

Folge 9: Quarantäne

Jeder hat es schon einmal irgendwo gelesen: Zieht ein neues Tier ein, muss es zwingend in Quarantäne. Da wir gerade das Thema „Einer ist nie genug“ hatten, passt die Quarantäne als nächste Folge ganz gut. Denn auch hier gibt es einige Fragen zu klären:

Wann macht eine Quarantäne wirklich Sinn? Und wenn sie Sinn macht, wie führe ich sie dann am besten durch? Was ist dazu notwendig? Gibt es wirklich den Fall, in dem eine Quarantäne einfach völliger Unsinn ist?

Ich versuche mal, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Quarantäne bei nur einer Schlange?

Eine Quarantäne soll verhindern, dass man sich Krankheiten oder Parasiten einschleppt, die dann den gesamten Bestand gefährden könnten. Das klingt logisch und macht auch Sinn. Habe ich aber gerade meine erste Schlange gekauft, liegt die Frage nahe, was oder wen diese denn bitte „anstecken“ soll?

Krankheiten und auch Parasiten einer Schlange sind in der Regel für den Menschen, aber auch für Hund oder Katze ungefährlich. Das gilt auch für die gefürchteten Milben. Schlangenmilben können mit anderen Wirten nichts anfangen, außer diese quasi als Transportmittel zu nutzen, um von dort auf einen passenden Wirt zu gelangen.

Eine gewisse Quarantäne macht aber dennoch Sinn. Ich würde das mal salopp als „Quarantäne Light“ bezeichnen.

Es gibt Krankheiten oder Parasiten, die es nötig machen, die komplette Einrichtung des Terrariums zu entsorgen. Das wäre sehr schade, wenn man gerade viel Geld und Zeit investiert hat. Mit „Quarantäne Light“ meine ich, dass man das Terrarium zunächst nur sehr sporadisch einrichtet. Wasserschale, Versteck, Einstreu und vielleicht eine Plastikpflanze. Einstreu kann man entsorgen, die anderen Gegenstände sollten heiß abwaschbar sein, also am besten aus Plastik.

Ist nach 4-6 Wochen (und eventuell einer Kotprobe) klar, dass das Tier gesund und „sauber“ ist, kann man mit der richtigen Einrichtung loslegen.

Alternativ kann man die Quarantäne Light auch in einer Plastikbox durchführen. Einrichtung wie eben erwähnt. Der Vorteil: Während der „Quarantäne Light“ hat man ausreichend Zeit, das End-Terrarium einzurichten. Ist das Tier gesund kann es somit sofort in ein fertig eingerichtetes Terrarium umziehen. Ansonsten würde die Neueinrichtung erfolgen, während das Tier im Terrarium ist, was eventuell unnötiger Stress für das Tier ist.

Die richtige Quarantäne

Hat man mehrere Tiere im Bestand, ist eine Quarantäne Pflicht und es wird zwar konsequenter, aber auch nicht viel aufwändiger. Als Behausung dient nun sinnvollerweise auf jeden Fall eine Plastikbox oder ein Glasterrarium (es muss halt leicht zu reinigen und desinfizieren sein). Einrichtung wie bei der Light-Variante. Außer, dass ich hier fast dazu neigen würde, statt Einstreu Zeitungspapier zu nehmen.

Parasiten lassen sich fast nur über Kotproben feststellen, Krankheiten sind eventuell auch sichtbar. Ein Problem sind Milben. Denn diese sind nicht unbedingt sofort zu sehen, aber es können sich Milbeneier am Tier befinden.

Deswegen sollte man ein Insektizid um das Quarantäne-Terrarium herum sprühen, oder sogar das Terrarium von außen einsprühen. Es muss sichergestellt sein, dass wenn Milben vorhanden sind, diese abgetötet werden, wenn sie das Terrarium verlassen. Auf keinen Fall dürfen die Milben das nächste Terrarium erreichen! Darum baut man einen Schutz um das Quarantäne-Terra auf. Das Tier selber sollte nur gegen Milben behandelt werden, wenn es wirklich welche hat.

Welches Mittel bei Milben?

Als sehr gutes Mittel hat sich das Insecticide 2000 gezeigt, die Bezeichnung „Universal-Insektenschutz“ trägt es zu Recht, denn es macht wirklich allen Insekten den Garaus.

Hinweis: Auf dem Produkt und auch in der Beschreibung bei M&S steht „Keine direkte Anwendung am Reptil“. Das muss dort stehen, weil wir hier über ein Gift reden und natürlich niemand die Verantwortung übernehmen möchte. Dies gilt selbstredend auch für mich! Die Anwendung erfolgt immer auf eigene Gefahr! Bitte auch beachten, dass das Insecticide 2000 z.B. nicht bei Regenbogenboas oder asiatischen Schönnattern verwendet werden darf.

Nachdem das geklärt ist: Natürlich muss die Anwendung auch am Tier erfolgen. Es dürfte einleuchtend sein, dass es wenig zielführend ist, dass gesamte Terrarium zu behandeln, aber die Milben erfreuen sich weiter bester Gesundheit auf dem Tier. Es hilft wirklich nur der komplette Rundumschlag. Beim Tier würde ich auch nicht sprühen, sondern ein Tuch einsprühen und damit das Tier abreiben. Den Kopf würde ich auslassen, oder wenn überhaupt nur ganz vorsichtig oben abtupfen. Auf keinen Fall das Gift in der Nähe des Mauls verwenden!

https://www.ms-reptilien.de/zubehoer/haltung-und-gesundheit/hygiene/4906/universal-insektenschutz-insecticide-2000-500ml

Wie lange die richtige Quarantäne?

Hier gehen die Meinungen sicher auseinander. Es gibt bestimmt Züchter, die 3 Monate für richtig halten. Andere werden 4-6 Wochen für ausreichend ansehen. Manchen reicht eine Kotprobe, andere fühlen sich erst nach 3 Kotproben auf der sicheren Seite. Ich bin kein Züchter und kann da keine Empfehlung geben.

Wie ich es mache

Man mag mich als etwas blauäugig bezeichnen, aber ich denke, wenn man bei einem seriösen Züchter kauft, ist die Chance auf ein Problem gering.

Dennoch mache ich die oben genannte „Quarantäne Light“ für 4-6 Wochen. Ich lasse auch keine Kotproben durchführen, aber ich schaue sehr genau hin, was das Fressverhalten und das Wachstum angeht - auch wie agil ein Tier ist, beobachte ich in dem Zeitraum noch genauer als sonst.

Da ich immer nur Jungtiere kaufe, erfolgt die „Quarantäne Light“ in den Aufzuchtsets, die ich bereits vorgestellt habe. Damit ist sichergestellt, dass auch das Klima stimmt. Denn natürlich ist das Klima immer das A und O, selbstverständlich auch in der Quarantäne.

https://www.ms-reptilien.de/FinSearchAPI/search?sSearch=jungschlangen+aufzucht+komplettangebot

Ich protokolliere aber bei jedem Tier Fütterungen, Häutungen und Gewicht, auch bei denen, die schon länger hier sind. Früher per Tabelle, inzwischen mit der App „Time2Feed“, die ich echt nur empfehlen kann. Ich behaupte mal, dass wenn etwas nicht stimmt, wird man das so feststellen.

Wer nur eine Schlange hat, der muss wirklich extrem genau hinsehen und sein Tier „kennenlernen“. Ja, das ist aufwändig, geht aber nicht anders. Aber freut euch: Schon beim zweiten Tier fällt das leichter!

 

Euer Jörg

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