''1 Jahr Regius'' begleitende Aufzucht von Jörg Pieters (Folge 3 )

Folge 3 - Tierversand

Während ich auf den Versand des Tieres warte, dachte ich, ich nutze die Zeit um mal „kurz“ etwas zum Thema Tierversand zu schreiben. Der Versand von lebenden Tieren wird gerne kritisiert, und nicht selten sind da Vorurteile im Spiel.

Wieso warte ich überhaupt? Damit sind wir beim ersten, sehr wichtigen, Punkt. Die Tiere werden nur verschickt, wenn es die Außentemperaturen zulassen. Ausschlaggebend ist hier die Nachttemperatur, da die Tiere auch bei Tierspeditionen über Nacht in der Regel in unbeheizten Räumen gelagert werden (während des Transports sind sie ja in beheizten Fahrzeugen). Unbeheizt bedeutet aber nicht, dass diese Räume so kalt wie die Außentemperatur sind. Tagsüber sind die beleuchtet, es stehen viele „Kisten“ darin, Menschen bewegen sich darin, die Wände der Räume dämmen … wärmer als die Außentemperatur werden diese Räume also schon sein. Dennoch ist irgendwo eine Grenze, und die lautet: Es sollte nachts nicht unter 0 Grad Außentemperatur haben. Die Lagerräume werden dann wohl geschätzt bei 10 bis 15 Grad liegen, zumindest ist mein unbeheizter Keller nicht kälter, und da arbeitet niemand drin.

Der zweite, wichtige, Punkt: Die Tiere werden in Styroporboxen verschickt, deren Wandstärke circa 2-3cm hat. Styropor ist ein hervorragender Wärmedämmstoff, da viel Luft eingeschlossen ist. Luft dämmt, man glaubt es kaum, extrem gut. Das kennt man von der Zweifachverglasung von Fenstern, auch da ist lediglich eine Luftschicht zwischen den beiden Glasscheiben, dennoch sind diese von der Dämmung her viel besser.

In der Box wird dann reichlich Zeitungspapier benutzt. Zum einen, damit das Tier (egal ob in einem Beutel oder in einer Plastikbox) gesichert ist und nicht herumrutscht. Zum anderen isoliert auch das Zeitungspapier, da es ebenfalls Luft einschließt. Diese Styroporbox kommt noch einmal in einen Karton. Karton ist Pappe, die wieder Luft einschließt, also noch einmal dämmt. Diese ganze Dämmung funktioniert natürlich in beide Richtungen, sie schützt also vor Kälte als auch vor Hitze. Man kennt das von Thermoskannen, kaltes bleibt kalt, warmes bleibt warm.

Nebenbei: Wer ungerne Altpapier entsorgt, der wird keine Freude haben. Selbst bei einem kleinen Tier kommt da doch einiges zusammen.

Der dritte, wichtige, Punkt: Heatpacks. Das sind kleine kissenähnliche Dinger, die mit der Luft reagieren und dann so 30 - 35 Grad warm werden (ich kann es chemisch leider nicht erklären). In der kalten Jahreszeit werden in der Regel ein oder zwei davon mit in die Box gepackt. Meistens in der Nähe der Luftlöcher, damit die hereinströmende Luft direkt erwärmt wird. Natürlich bleiben diese Heatpacks nicht Ewigkeiten warm, aber zumindest über einen gewissen Zeitraum ist die Box damit sogar beheizt. Da es sich dabei quasi um eine Heizung handelt, dürfen auch nicht zu viele dieser Heatpacks verwendet werden. Es würde zu warm in der Box, und die Tiere können schlicht überhitzen (das geht tatsächlich sehr schnell).

Kommen wir zum wichtigsten Punkt, dem Tier selber. Ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte, dass einer Schlange der Transport nicht so „nahe geht“. Es ist schon Stress, aber verglichen mit Hunden, die aus Spanien eingeflogen werden und die im (lauten und kalten) Frachtraum transportiert werden, ist dieser wohl eher gering.

Dennoch sollte man natürlich behutsam vorgehen, wenn man das Paket öffnet. Das Tier kann entspannt sein, oder auch nervös bis ängstlich. Die Charaktere sind völlig unterschiedlich, was aber nicht zwingend mit dem endgültigen Verhalten zu tun hat. Ein Tier, was bei der Ankunft nervös ist, wird in der Regel nach ein paar Tagen ruhig. Ein Tier, was bei der Ankunft schon völlig entspannt ist, bleibt es in der Regel auch.

Fast hätte ich es vergessen: Das Tier kommt in der kalten Jahreszeit mit Sicherheit nicht so warm an, als hätte es gerade noch am Sonnenplatz im Terrarium gelegen. Wahrscheinlich ist es eher kühl. Das ist nicht weiter schlimm, so empfindlich sind die Tiere nicht. Simpel ausgedrückt fährt eine Schlange dann einfach den kompletten Kreislauf (Stoffwechsel usw.) herunter. Was die Tiere aber nicht gut verpacken, ist eine plötzliche Temperaturänderung. Also bitte das kühle Tier nicht direkt in das (verglichen mit der aktuellen Temperatur) heiße Terrarium setzen! Während des Transports ist die Temperatur auch nur langsam gefallen. Nun soll sie langsam wieder steigen. Man sollte das Tier aus der Box auspacken, und dann erstmal mindestens 2-3 Stunden in dem warmen (!) Raum stehen lassen.

Wenn das Tier nicht in einem Sack, sondern in einer Kunststoffbox geliefert wird, ist das auch ein guter Zeitpunkt, um es schon einmal zumindest grob in Augenschein zu nehmen. Kommt es in einem Sack, muss man diese 2-3 Stunden warten. Bevor man es in sein zukünftiges Zuhause setzt, kann man es dann kurz (ich denke da an 5 Minuten) hantieren. Dieses Hantieren soll das Tier nicht an das Hantieren an sich gewöhnen! Es dient lediglich der Kontrolle und der Einschätzung, ob das Tier eher gestresst oder eher entspannt ist (dieses Beobachten wird später noch wichtiger).

Soviel zum Thema Tierversand. Die beste Variante ist und bleibt, sich ein Tier auszusuchen und beim Züchter abzuholen. Man sollte aber abwägen, ob das Sinn macht. Nicht nur finanziell, sondern auch, ob man soviel CO2 in die Luft ballern muss.

Gerade als Terrarianer sollte man sich diese Frage stellen.

 

Euer Jörg

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