''1 Jahr Regius'' begleitende Aufzucht von Jörg Pieters (Folge 10)

Folge 10: Häutung

Dass sich Schlangen häuten, ist wohl auch jedem Nicht-Terrarianer klar und bekannt. Vielleicht rührt auch ein wenig der Mythos, welcher diese Tiere umgibt, daher. Dieses „ewig junge“, wenn eine Schlange nach der Häutung sprichwörtlich wie „frisch aus dem Ei“ aussieht - wir Menschen aber sichtbar altern (müssen).

Inzwischen ist das mit der Häutung kein Geheimnis mehr, dennoch gibt es viele Fragen rund um das Thema. Ich versuche einfach mal, ein paar davon zu klären.

Warum häutet sich die Schlange?

Schlangen wachsen ihr ganzes Leben lang. Entsprechend wird die alte Haut ab und an einfach zu klein, um das mal simpel zu formulieren. Unter der alten - und zu kleinen - Haut befindet sich aber bereits die neue und passende. Es gilt nun also, den „alten Anzug“ loszuwerden. Mehr steckt eigentlich nicht dahinter.

Wie oft häutet sich die Schlange?

Diese Frage wird oft gestellt, lässt sich aber nicht pauschal beantworten. Jede Schlange wächst als Baby schneller als sie es als adultes, erwachsenes Tier, tut. Sprich: Am Anfang des Lebens häuten sich die Schlangen öfter, mit steigendem Alter immer weniger häufig. Das ist aber die einzige zuverlässige Aussage, die man treffen kann. Niemand kann sagen, wie oft sich ein zum Beispiel sechs Monate altes Tier häuten müsste. Das Wachstum hängt an Kriterien wie Fütterung (womit?), Intervall (wie oft?) und der Futterverwertung (gut oder schlecht?). Es ist unmöglich, da eine Voraussage zu treffen.

Und, damit sind wir beim ersten wichtigen Punkt: Es ist auch völlig egal! Die Schlange wird sich häuten, wenn sie es muss. Nicht früher und nicht später, man hat darauf keinen Einfluss.

Der Ablauf der Häutung

Ganz grob kann man die Häutung in drei Phasen einteilen:

1. Der Bauch des Tieres wird leicht rosafarben und die Farben insgesamt verblassen ein wenig. Das muss nicht zwingend immer und sofort erkennbar sein.

2. Diese Phase erkennt quasi ein Blinder. Die Farben sind völlig matt und die Augen des Tieres sind milchig-trüb. Das liegt an der sogenannten „Häutungsmilch“, die zwischen der alten und der neuen Haut dafür sorgt, dass die alte Haut sich leichter lösen wird.

3. Ein bis drei Tage später sieht das Tier wieder völlig normal aus. Die Farben sind wieder normal, die Augen nicht mehr milchig, und man möchte fast nach der alten Haut suchen. Tatsächlich aber steht die Schlange nun erst direkt vor der Häutung und wird diese in den nächsten ein bis zwei Tagen auch durchführen.

Wie lange das Tier braucht, um diese drei Phasen zu durchlaufen, kann man leider auch nicht genau sagen. Manche sind schneller, manche langsamer. Ein bis zwei Wochen kommen aber ganz gut hin.

Bitte auch nicht wundern, wenn man neben oder in der alten Haut Kot findet. Viele Schlangen, vor allem der Königspython, halten den Kot gerne bis nach der Häutung zurück.

Noch ein Hinweis zu Phase 2: Es gibt Tiere, die werden so matt, dass man fast keine Zeichnung mehr erkennt, eventuell werden auch die Augen richtig weiß. Andere hingegen verblassen nur ganz wenig und die Augen sind nur leicht milchig. Ein wenig hängt das von der Morph ab, aber ich denke, die Tiere produzieren einfach unterschiedlich stark trübe Häutungsmilch. Eventuell hängt das auch vom Futter ab, ich weiß es ehrlich gestanden nicht. Ich weiß nur, dass zum Beispiel meine Champagne in Phase 2 fast nichts mehr an Zeichnung hat, während meine Pastave einfach nur etwas matter aussieht und weniger „leuchtet“. Der Pewter, um den es hier ja immer noch geht, liegt irgendwo dazwischen. Er wird während der Häutung einfach sehr dunkel, man erkennt die Zeichnung aber immer noch.

Unterstützung während der Häutung

Auch wenn wir die Häutung vom Ablauf her nicht beeinflussen können, können wir dem Tier dennoch helfen. Wichtig ist vor allem eine hohe Luftfeuchtigkeit. 80% dürfen es „in der Haut“ gerne sein. Wird Phase 2 erkannt, heißt es öfter sprühen.

Noch besser sind meiner Meinung nach die sogenannten Wetboxen, die es auch hier auf M&S gibt und die meiner Meinung nach sogar die besten sind. Selbst ein Tier, was diese normalerweise nicht oder selten aufsucht, wird sie in der Häutungsphase aufsuchen und nutzen. Durch das feuchte Moos liegt die Luftfeuchtigkeit in den Wetboxen bei über 80%, perfekt für die Häutung. Meine Tiere häuten sich sogar fast alle in der Wetbox!

https://www.ms-reptilien.de/zubehoer/terri-einrichtung/verstecke-hoehlen/8490/m-s-reptile-hide-box-schlupfbox-mit-magnetdeckel-medium

https://www.ms-reptilien.de/zubehoer/terri-einrichtung/verstecke-hoehlen/8491/m-s-reptile-hide-box-schlupfbox-mit-magnetdeckel-large

Natürlich geht es auch ohne Wetbox, dann eben mit mehr sprühen. Und natürlich müssen raue Gegenstände vorhanden sein, an denen das Tier die alte Haut abstreifen kann.

Wenn alles stimmt, wird sich die Schlange an einem Stück häuten, was perfekt wäre.

Probleme bei der Häutung

Nun kommt es vor, dass sich das Tier nicht perfekt und an einem Stück häutet. Im schlimmsten Fall häutet sich die Schlange regelrecht in Fetzen. Das kann tatsächlich auch mal ohne offensichtlichen Grund vorkommen, ist aber eher die Ausnahme.

In der Regel liegt das Problem an der Luftfeuchtigkeit, das Tier wird also schlicht zu trocken gehalten und/oder hat keine feuchten Verstecke zur Verfügung. Ich plädiere, wie eben schon erwähnt, für Wetboxen. Hält man das Moos darin immer frisch und feucht, kann die Luftfeuchtigkeit im Terrarium problemlos bei rund 60% liegen. Ich selber versuche immer so zwischen 60 und 70% zu erreichen, für mehr gibt es eben die Wetboxen. Ich sprühe auch nicht mehr als sonst, wenn die Tiere in die Haut kommen.

Was ebenfalls zu Problemen in der Häutung führen kann ist Stress. Deswegen lässt man die Tiere in der Zeit am besten völlig in Ruhe und hantiert sie auch nicht. Das bringt mich zum nächsten Punkt.

Füttern in/nach der Häutung?

Viele Schlangen stellen schon von sich aus vor der Häutung das Fressen ein. Ich habe ein Champagne-Weibchen, die hört auf zu fressen, da sieht man noch nicht einmal ansatzweise, dass eine Häutung ansteht. Auf der anderen Seite habe ich Tiere, denen ist die Häutung völlig egal, wenn es ums Fressen geht. Die fressen selbst dann noch, wenn sie völlig milchige Augen haben.

Man kann also durchaus auch während der Häutung füttern, dem Tier passiert dadurch absolut nichts!

Ich würde aber dennoch empfehlen, nicht zu füttern, wenn man erkennt, dass das Tier in der Häutung steckt. Die kurze Fresspause schadet dem Tier nicht, es kann seine ganze Energie in die Häutung stecken und man stresst es nicht unnötig.

Manche füttern auch erst ein paar Tage nach der Häutung. Das wiederum halte ich, naja nicht für falsch, aber auch nicht für sinnig. Wenn die Häutung doch Energie kostet, sollte das Tier danach auch fressen dürfen. Wie gesagt hat das Tier in der Regel auch gekotet, der Magen bzw. Darm ist leer und der Verdauungsapparat wieder im Normalzustand. Durch die kurze Fresspause haben die Tiere im Normalfall auch richtig Hunger. Ich sehe keinen Grund, nicht sofort Futter anzubieten.

Was tun bei Häutungsproblemen?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, da sie maßgeblich vom Ausmaß der Probleme abhängt.

Ist an zwei oder drei Stellen am Körper noch alte Haut zu finden, dann ist das nicht tragisch. Eigentlich könnte man die drauflassen, mit der nächsten Häutung werden die verschwinden. Man kann aber auch feuchte Zewa-Tücher für 5-10 Minuten auf diese Stellen legen und die alte Haut dann einfach abreiben.

Hat das ganze Tier sich schlecht gehäutet, muss man nachhelfen. Zwei Tricks helfen ganz gut:

1. Das Tier für 30 Minuten in lauwarmen Wasser baden. Danach durch ein raues (also ohne Weichspüler gewaschenes) Badetuch kriechen lassen.

2. Das Tier in ein feuchtes Tuch einwickeln, in eine Box (mit Luftlöchern!) packen und das Ganze ins Terrarium stellen. Am nächsten Tag sollte sich die alte Haut von alleine gelöst haben oder einfach zu entfernen sein.

Problemzone Augen

Wichtig bei der Häutung sind die Augen, denn die häuten sich mit. Die sogenannte „Brille“ darf nicht mehr auf den Augen sein. Es könnten sich Bakterien darunter ansammeln, was zu Entzündungen und im schlimmsten Fall zum Erblinden des Auges führen kann. Wenn die Brille noch da ist, muss die auf jeden Fall weg.

Es gibt verschiedene Tipps, wie man in dem Fall vorgehen kann. Einer lautet, vorsichtig mit einer Pinzette die alte „Brille“ abzulösen. Bitte macht das nicht!!! Ein kleiner Fehler und ihr macht mehr kaputt als das ihr helft! Bitte auch nicht mit langen Fingernägeln an den Augen herumkratzen.

Eher vertretbar, auch wenn ich das nicht empfehlen würde, ist es, einen Streifen TESA über die Brille zu kleben und dann abzuziehen. Die Chance, etwas zu zerstören, ist so sicher geringer.

Der beste Weg in dem Fall ist aber der zu einem (reptilienkundigen) Tierarzt. Das wird ein paar Euro kosten, aber besser als nachher eine blinde Schlange zu haben, oder?

Schlusswort

Ich muss es zugeben: Ich bin extrem schlecht darin, gute und passende Bilder zu machen. Entweder ich verpasse den richtigen Zeitpunkt oder aber die Bilder sind nicht brauchbar.

Hilfe bekam ich dieses Mal durch Sämi G. Isler, ein Mitglied meiner Facebook-Gruppe „Faszination Königspython“. Folgendes Bild wurde mir netterweise zur Verfügung gestellt, und besser kann man den Unterschied vorher/nachher kaum zeigen. Vielen Dank für das Bild!

Euer
Jörg

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